Brauchen wir ein hausarztzentriertes Versorgungssystem?

Das deutsche Gesundheitssystem befindet sich im Umbruch. Zurzeit sind sich alle politischen Parteien einig darüber, die Position des Hausarztes stärken zu wollen.
Die Diskussion darüber, ob ein Versorgungssystem, in welchem Hausärzte eine herausragende Stelle einnehmen, wirklich „besser“ ist als ein facharztzentriertes System, gewinnt zunehmend an Brisanz.
In der Vergangenheit wurde schon mehrfach die Hypothese auf- gestellt, dass ein solches System effizient, bei Patienten beliebt und dazu noch kostengünstig sei.

„The Street of Shame” – Private Medizin in Großbritannien

Private Medizin in Großbritannien – Artikel von mir in der „Zeitschrift für Allgemeinmedizin“:

Medizin in Großbritannien – das ist zunächst einmal der staatliche Gesundheitsdienst: der National Health Service (NHS). Der NHS ist eine riesengroße, aus allgemeinen Steuergeldern finanzierte Organisation. In einer ganz groben Vereinfachung könnte man ihn auch als die einzige, allumfassende Krankenkasse des Vereinigten Königreiches bezeichnen. (…)
Das Gegenstück zum NHS ist der „Private Sektor“. Dieser ist eine eigene Welt für sich. Denkt man beim NHS an schäbige Krankenhausflure, überfüllte Wartezimmer mit durchgesessenen Plastikstühlen und genervtes, überarbeitetes Personal mit Ringen unter den Augen, so ist ein privates Krankenhaus eher eine Art Luxushotel mit dicken Teppichen, tiefen Ledersesseln und freundlichen Angestellten, die nicht zuletzt für ihr Lächeln bezahlt werden. Jeder hat das Recht, sich in einer solchen Privatklinik behandeln zu lassen – sofern er es sich leisten kann. Privatversicherungen sind immer „Zusatzversicherungen“, da die Patienten ja nach wie vor Anspruch auf NHS-Leistungen haben.

Im „Land of Hope and Glory”: Als Hausarzt in Großbritannien

Ein kleiner Überblick über das britische Gesundheitssystem, den ich für die Zeitschrift für Allgemeinmedizin geschrieben habe (leider

Das britische Primärarztsystem verändert sich derzeit. Nach wie vor gibt es gewaltige Unterschiede zum deutschen Gesundheitswesen. Im April 2004 ist ein neuer Rahmenvertrag in Kraft getreten, der die Aufgaben und die Vergütung von Hausärzten neu regelt. Auûerdem sind von 2005 an alle Ärzte verpflichtet, sich regelmäûig fortzubilden, die eigene kontinuierliche Weiterentwicklung mit einem Mentor zu besprechen und dies zu dokumentieren.

Brüssel Gare Midi, Dezember 2001: Eine Tüte Euro bitte! – oder: Von der wahrscheinlich vorläufig letzten Gelegenheit, italienische Lire gegen belgische Franc umzutauschen

Der Eurostar war pünktlich und jetzt habe ich in Brüssel über eine Stunde Zeit, drei dreihundert belgische Franc und eine Idee.
Sind nicht diese Woche zum unter großem Medienrummel die ersten Euro-Münzen unters Volk gebracht worden? Als sogenannte „Starter-Kits“ in sorgfältig abgezählten Plastiktütchen?
Also gut, dann mache ich mich mal auf die Suche.
In der unterirdischen Ladenpassage gibt es so ziemlich alles, vom Friseur bis zum Internetcafe und natürlich auch eine Wechselstube.
Nein, der Euro kommt doch erst nächstes Jahr, erklärt man mir geduldig, so wie man es halt einem ignoranten Ausländer erzählt, und es ist deutlich zu merken, der gute Mann erzählt das heute nicht zum ersten Mal.
Münzen? In Plastiktütchen?
Er beratschlagt mit einem Kollegen. Ich soll’s doch mal an der Post versuchen.
Die Post ist am anderen Ende des Bahnhofs und die lange Schlange vor den Schaltern sieht ziemlich entmutigend aus.
Gleich um die Ecke finde ich eine kleine Bankfiliale. Drei Schalter, davon zwei geschlossen. Vor dem Dritten ein Schild „nur für schnelle Transaktionen“.
Zwei Leute warten geduldig vor mir. Ihre schnellen Transaktionen dauern Ewigkeiten. Endlich.
Ja, hier gibts Euros. In abgepackten Tütchen zu fünfhundert Franc, und nur ein Tütchen pro Person.
Ob ich für meine dreihundert Franc nicht vielleicht ein halbes Tütchen….?
Nein, das geht nicht.
Ob sie mir nicht ein paar D-Mark, Pfund oder Schillinge umtauschen…?
Nein, Umtausch gibts nur für Kontoinhaber.
Das war’s denn wohl. Zurück zum Bahnhof, ins nächste Cafe, erstmal nen Kaffee trinken.
In fünfundvierzig Minuten geht mein Zug. Meine Barschaft ist auf zweihundertvierzig Franc geschrumpft. Ob ich die dann wohl doch lieber in belgische Schokolade investieren soll? Oder noch einen Versuch wagen?
Eine Minute später finde ich mich in der Wechselstube wieder und zücke einen dicken Briefumschlag voller Lire, Escudos, Drachmen, Punt, Schillingen und ähnlichem Gemüse.
„No Commission für Nicht-Euro-Währungen“ steht auf dem Werbeplakat. Meine Lire aber werde ich nur gegen fünfzig Franc Provision los.
Wieder in die Stadt. Hundert Meter weiter die nächste Bank. Keine Schlange vor den Schaltern.
Euros? Die gibts doch erst nächstes Jahr. Ob ich nicht lieber britische Pfund möchte?
Probepackungs-Tütchen mit Euro-Münzen?
Er wird rot.
Nein, gibts nicht, sagt er schnell.
Vielleicht doch?
Immerhin liegt ein ganzer Stapel davon direkt hinter der Glasscheibe, quasi zum Greifen nah.
Nur für Kontoinhaber.
Ob man nicht vielleicht, freundlicherweise, einmal eine Ausnahme machen könnte?
Er schüttelt den Kopf.
Diese Eurotütchen sind anscheinend so rar wie Goldstaub.
Wo gibts die Dinger denn?
Schulterzucken. Für so miese Ausländer wie Dich gar nicht, würde er wohl gerne sagen.
Arschloch, will ich sagen. Stattdessen bemühe ich mich um ein Lächeln.
Na, dann mache ich halt ein Konto auf.
Geht nicht. Ich versuche es mit sanftem Druck
Könnte ich vielleicht mit Ihrem Vorgesetzten sprechen?
Der hat keine Zeit.
Ich würde ja gerne noch weiter insistieren, aber in einer halben Stunde geht mein Zug.
Also doch wieder zu der kleinen Bank von vorhin. Inzwischen sind sogar alle drei Schalter offen. Leider auch eine beachtliche Schlange.
Zehn Minuten später sind es noch genauso viele.
Ich weiss nicht, wieviele Stempel und Unterschriften man in Belgien braucht, um an einem Schalter, „nur für schnelle Transaktionen“, sein Geld abzuheben.
Endlich wird ein Schalter frei.
Ob man vielleicht, bittebitte, so nett wäre, mich vielleicht vor zu lassen, weil in zehn Minuten…
Ich stehe vor dem Schalter… und der Banker ist plötzlich weg. Wo steckt er?
Ich werde nervös… der Zug…
Der Banker kommt wieder, erkennt mich, lächelt.
„Eine Tüte Euro bitte!“
Ich schiebe meine fünf Hundertfranc-Scheine unter der Glasscheibe durch. Er nimmt sie einzeln, einen nach dem anderen auf, zählt sie sorgfältig, zählt sie nochmal.
Lächelt. Tippt in Zeitlupe auf seinem Computer. Nimmt einen Schlüsselbund, schliesst einen Schrank auf, welchem er einen Schlüsselbund entnimmt. Öffnet einen weiteren Schrank und holt endlich ein Tütchen Euro-Münzen aus dem Versteck. Füllt eine Quittung aus.
Ich greife nach meinen Euros und renne zurück zum Bahnhof.
Der Zug hat Verspätung. Ich hole das Tütchen aus der Tasche und sehe mir die Münzen an.
Vierzehn komma acht eins belgische Euros. Brandneue, glänzende, prägefrische Münzen. Auf der Rückseite lächelt der König.
Was ist an diesen Dingern bloß so Besonderes?