Warum ich Ihnen manchmal keine Antibiotika verschreiben möchte

Eine ganz normale Situation in einer ganz normalen Arztpraxis an einem beliebigen Montagmorgen im Winter. Im Wartezimmer sitzen die Menschen dicht an dicht. Es wird gehustet und genießt, was das Zeug hält.
„Der Nächste bitte!“
Der Arzt ist sichtlich angespannt.
„Bei mir geht’s schnell, Herr Doktor,“ sagt die Patientin und lächelt, „ich habe seit einer Woche die Grippe und brauche jetzt nur ein Antibiotikum!“
Spätestens jetzt sinkt dem Herrn Doktor entgültig das Herz in die Hose.
Warum?
Das, was viele Menschen landläufig für die Grippe halten, ist meist gar keine Grippe, sondern um ein „grippaler Infekt“. Sowohl Grippe als auch gripppaler Infekt sind Viruserkrankungen.
Antibiotika aber wirken nur gegen Bakterien. Gegen Viren sind sie wirkungslos. Antibiotika töten aber auch die im Körper allgegenwärtigen „guten“ Bakterien ab. Zudem steigt nach jeder Antibotika-Einnahme das Risiko einer allergischen Reaktion. Summa summarum: Wägt man möglichen Nutzen und Schaden gegeneinander ab, so spricht beim grippalen Infekt fast alles gegen Antibiotika.
Deswegen: Glauben Sie ihrem Doktor! Auch und sogar gerade dann, wenn er, obwohl es eigentlich schnell gehen muß nicht sofort zum Rezeptblock greift sondern Ihnen in Ruhe erklärt, dass Sie Ihren grippalen Infekt auch ohne Antibiotika genauso schnell wieder los sind.

Demnächst in diesem Kino…

Warum geht jeder Deutsche im Schnitt achtzehn mal im Jahr zum Arzt, ein Brite aber nur etwa viermal?
Darf man im Gesundheitswesen sparen?
Ist Rationierung ein Tabu?
Oder werden wir über kurz oder lang nicht drum herum kommen?
Und falls es so ist: Kann es dann trotzdem noch eine Gerechtigkeit geben?
Ist „Staatsmedizin“ wirklich so schlimm, wie es uns gewisse Interessenvertreter gerne suggerieren?
Wie schafft es ein Gesundheitsminister, sich nicht den Zorn von Ärzten und Patienten zuzuziehen und vielleicht sogar noch die nächste Wahl zu überstehen?
Warum jammern die Ärzte? Und warum die Patienten?
…falls Sie eine Antwort auf diese Fragen haben, lassen Sie es mich wissen! Oder wenden Sie sich direkt an den Gesundheitsminister.

Wie bleibe ich gesund?

Eigentlich ist es ganz einfach.
Man braucht auch kein Medizinstudium um es zu verstehen. Es ist so einleuchtend, dass es jeder halbwegs denkfähige Mensch sofort kapiert. Und ich bin mir sicher, auch Sie haben es schon oft gehört: wahrscheinlich so oft, dass Sie es gar nicht mehr hören möchten.
Und genau da liegt der Hase im Pfeffer.
Also gut nochmal, zum Mitschreiben, fürs Protokoll: ausgeglichene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ausreichend Gelegenheit zur Entspannung. Das ist alles. Ach ja, und Schluss mit den Zigaretten! Oder besser noch, gar nicht erst anfangen damit.
Wie, das wussten Sie nicht? Wirklich nicht? Jetzt veräppeln Sie mich aber!
Okay. Ich habe damit angefangen.
Trotzdem habe ich Recht.
Und jetzt erklären Sie mir mal, warum Jahr für Jahr immer noch tausende von Menschen an Krankheiten sterben, die sich eigentlich vermeiden ließen.
Was sagen Sie? Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach?
Okay, okay, der Spruch ist schon ein paar hundert Jahre alt.
Seitdem hat sich nichts geändert?
Ja, wäre es anders, dann wäre unsere Zunft arbeitslos. Aber Ihre Krankenkassenbeiträge, die wären dann auch niedriger.

Was ist bloggenswert?

Bloggen ist gefährlich.
Ich sitze gerade mit meinem Laptop in einer schummerigen Kneipe, vor mir ein halbleeres Bierglas und sobald ich auf den „Publizieren“-Button klicke, weiß die ganze Welt Bescheid.
Um mich herum wummert Musik, ein wenig zu laut für meinen Geschmack. Links und rechts vor mir sitzen gutgelaunte Leute, ebenfalls vor Biergläsern und ab und zu ernte ich einen erstaunten Blick. Gäste mit Laptop sind in diesem Lokal eher selten.
Ein Klick, und jeder Mensch überall in der Welt kann diese Zeilen lesen: Der Besucher des Internetcafes in Timbuktu genauso wie die junge Frau, die da drüben an der Theke mit ihrem I-Phone spielt.
Verstecken gilt nicht.
Im Impressum des Blogs steht mein voller, echter Name.
Jeder, der sich dafür interessiert, kann erfahren, wo ich den heutigen Abend verbringe.
Und sollte ich morgen mit dunklen Augenringen in der Sprechstunde sitzen, dann werden meine Patienten – oder zumindest die Internetjunkies unter ihnen – genau wissen warum.
„Wohl gestern Abend ein wenig zu tief ins Glas geschaut, Herr Doktor, nicht wahr?“
Okay, okay.
Womit wir beim Thema wären.
Ich bin Arzt.
Und es wird sich nicht vermeiden lassen, dass die Auswahl meiner Themen hierdurch in eine gewisse Richtung tendieren wird.
Nun ist das ein ziemlich weites Feld. Und es gibt ja auch schon recht viele gute Gesundheitsblogs.
Ich bin Hausarzt in einer Bayerischen Kleinstadt.
Hier ist alles noch so wie vor Jahrzehnten, Jahrhunderten, Jahrtausenden… könnte man sagen, aber das stimmt natürlich nicht: In der Hausarzt-Medizin haben sich in der letzten Zeit einige Änderungen ergeben und immer noch ist eine Menge im Fluß.
Und das ist ziemlich spannend.
Jedenfalls gibt es genug Material zum Bloggen…

Was macht einen Blog lesenswert?

Blogs gibt es wie Sand am Meer.
Es gibt einen Haufen schlechter und durchaus eine Menge guter Blogs.
Es gibt Blogs, welche ich einmal anschaue und dann nie wieder und es gibt Blogs, welche ich seit Jahrenffasziniert regelmäßig verfolge.
Es gibt private Blogs und es gibt Profi-Blogs. Es gibt Feld-Wald-und Wiesenblogs und es gibt Blogs, die ein ganz bestimmtes Thema beschreiben. Aber was macht denn ein gutes Blog eigentlich lesenswert?
Zunächst mal natürlich das Thema. Die Beiträge sollten Hand und Fuß haben und der Blogger sollte wissen, worüber er schreibt und vielleicht sogar ein wenig recherchiert haben.
Aber das ist vielleicht schon zuviel verlangt, denn die meisten Blogger sind ja keine Vollzeit-Journalisten.
Genauso wichtig wie der Inhalt ist die Art und Weise, wie er präsentiert wird: Ein flüssiger, wenn möglich sogar etwas witziger und selbstirronischer Stil. So etwas lese ich gerne.
Trockenes Info-Dumping mag ich genausowenig wie selbstgerechte Lobhudelei oder wütendes Gemecker. Ach ja: Wer ein Blog betreibt, sollte seine Beiträge selbst schreiben. Blogs, die nur aus Links, Bildern, Videos (insbesondere geklauten Bildern und You-Tube-Fenstern) und Zitaten bestehen, sind langweilig. Googeln kann ich auch selbst.
Ein absolutes „No-Go“ sind übrigens ungekennzeichnete „Hundert-Prozent-Zitate“. Das sind Plagiate, und da verstehe ich keinen Spaß.
Ein Blog sollte eine „Message“, eine klare Linie haben, sowohl inhaltlich als auch von der Form her.
Wobei wir beim Design wären: Meiner bescheidenen Meinung nach sollte das so einfach wie möglich sein, die Form sollte nicht vom Inhalt ablenken. Ein paar Bilder – insbesondere ein schönes Logo – sind okay, aber wenn man vor lauter Geblinke gar nicht mehr weiß, wo man hinschauen soll, dann klicke ich lieber weg.
Gar nicht mag ich Flash und Popups. Ein paar Werbebanner oder Google-Ads sind tolerierbar, aber man sollte es nicht übertreiben. Gar nicht mag ich nicht gekennzeichnete Schleichwerbung im „redaktionellen“ Inhalt.
Es gibt Blogs, die vielversprechend angefangen haben, aber nach zwei, drei, fünf oder zwanzig Artikeln war dann Schluß. Schade, einige dieser Blogs waren gar nicht mal schlecht. Aber die Leute haben ihr Pulver zu schnell verschossen. Ein gutes Blog lebt nämlich von der Kontinuität. So wie eine Zeitung oder eine Fernsehserie, die man erst mit der Zeit so richtig schätzen (und manchmal lieben) lernt.
Was einen Blog von der Zeitung – und anderen „klassischen“ Medien – unterscheidet, ist die Interaktivität. Die unmittelbare, direkte Reaktion des Lesers ist immer nur einen Klick weit entfernt. Ein guter Blogger erntet nicht nur zahlreiche Kommentare, sondern moderiert und beantwortet diese auch.
Dies macht das Wesen des Blogs so einzigartig und spannend.