Schweigen ist Silber – ein Vortrag über die ärztliche Schweigepflicht

Kann ich meinem Arzt noch vertrauen?
Bleibt das, was ich in der Sprechstunde sage, wirklich vertraulich?
Oder ist die ärztliche Schweigepflicht vielleicht gar nicht mehr zeitgemäß?
…hierüber, und über noch Vieles mehr geht es in einem Vortrag, den ich heute Abend halten werde.
Anbei das Handout zum Download.
Viel Spaß beim Lesen!

Selfpublishing gut und schön: aber wo bekommt man die Bücher?

Wer in einer Buchhandlung stöbert, findet als allererstes, ganz vorne die Bestseller. Etwas weiter hinten sind dann die Bücher, die sich nicht ganz so gut, aber immerhin noch gut genug verkaufen. Was auffällt: Fast alle Bücher, die es in einer durchschnittlich-gutsortierten Buchhandlung zu kaufen gibt, stammen aus den großen Publikumsverlagen. Davon gibt es im deutschsprachigen Raum eine handvoll. Die Namen kennt jeder, der Bücher liest.
Es gibt aber noch viel mehr Verlage, mindestens zwei- bis dreihundert sollen es sein. Und dann gibt es ja noch die all die Autoren, die ihre Bücher selbst verlegen. Wo werden die denn nun ihre Werke los?
Die Antwort ist:
Durch Klinkenputzen und im Internet.
Von Autoren selbst verlegte Bücher und auch Bücher aus den kleinen und ganz kleinen Verlagen sind zunächst einmal so gut wie unsichtbar. Selbstverlegende Autoren und Mini-Verlage haben keinen Werbe-Etat. Sie müssen selbst die Trommel rühren: durch persönliche Kontakte, durch Präsenz auf Veranstaltungen und – enorm wichtig – durch rührige Online-Aktivitäten.
Man bekommt viele selbstverlegte Bücher – zum Beispiel solche, die bei „Books on Demand‟ hergestellt worden sind – übrigens überall dort, wo es Bücher gibt: Sie lassen sich – wie jedes andere Buch – in jeder Buchhandlung bestellen. Einfach Titel, Autor und ISBN angeben.
Also, zum Beispiel: „Wege nach Lyonesse‟, ISBN: 9783744817585, erscheint in den nächsten Tagen bei Books on Demand.
Allerdings kann die Lieferung etwas länger dauern als bei Büchern aus großen Verlagen, also etwas Geduld bitte!
Bei den großen Online-Händlern geht es natürlich auch. Aber: denken Sie doch an Ihren Buchhändler vor Ort, der sie immer so kompetent berät… vielleicht können sie ihn ja davon überzeugen, gleich ein paar mehr Exemplare zu bestellen?
Und: liebe Buchhändler, keine Angst, auch Buch ist remissionsfähig. Also: trauen Sie sich ruhig, dieses Buch zu bestellen, es wird seine Leser finden!

Selfpublishing – was ist das?

Wenn man ein Buch geschrieben hat und damit fertig ist, dann sucht man sich einen Verlag. Der Verlag kümmert sich dann darum, dass das Manuskript gedruckt und verkauft wird während der Autor fleißig an seinem nächsten Werk arbeitet.
Autoren, deren Bücher nicht gut genug sind, finden keinen Verlag. Und weil die Konkurrenz groß ist, muss man als Neuling schon ziemlich gut sein, um einen Verlag zu finden. Nur die Besten kommen durch – und all die anderen armen Gestalten können und ihr Geschriebenes selbst herausbringen, wenn sie ihre Eitelkeit befriedigen können. Das ist das gängige Vorurteil.
Nun ist aber heutzutage Manches nicht mehr so, wie es vor fünfzig oder hundert Jahren war.
Seitdem es das Internet gibt, hat jeder Mensch die Möglichkeit, sich mit geringem Aufwand sein eigenes Sprachrohr zu basteln. Und wenn er etwas interessantes zu erzählen hat, dann hören ihm die Leute auch zu. Oft hören sie einem auch zu, wenn man nichts interessantes zu erzählen hat und manchmal hören sie auch nicht zu, obwohl man furchtbar spannende Geschichten auf Lager hat… es ist einfach nichts mehr, wie es war.
Sein eigenes Buch herauszubringen, ist einfach geworden. Es kostet nicht mehr als ein paar Klicks und dann vielleicht noch maximal den Gegenwert einer Pizza bei einem mittelmäßigen Restaurant. Wenn man Glück hat, wird das Buch zum Bestseller, ganz ohne Verlag. Dazu muss man allerdings zugegebenermaßen schon sehr viel Glück haben.
Tatsache ist, dass die Grenzen verwischen: viele selbstverlegte Bücher sind mindestens so erfolgreich wie Bücher, die in einem kleinen Verlag herausgebracht wurden und hinter manch einem kleinen Verlag verbringt sich nicht mehr als ein sehr selbstbewusster Selfpublisher…

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: Freud und Leid

Für einen Hausarzt gehören die Notdienste – die Teilnahme am „Ärztlichen Bereitschaftsdienst“ abends, nachts, an Wochenenden und Feiertagen mit dazu. Beliebt sind sie – aus verständlichen Gründen – nicht gerade. Seit vielen Jahren mache ich schon keine KV-Dienste mehr und ich vermisse sie auch nicht.
Früher habe ich zeitweise sehr viele Dienste gemacht.

Ich habe diese Dienste geliebt:
Wenn ich ausgeschlafen um achtzehn Uhr zur Dienstzentrale kam, mit leichtem Gepäck (Stethoskop, Thermoskanne und Butterbrote, alles andere war in der Dienstzentrale vorhanden), dort meine Kollegen – Fahrer und Rezeptionistin – begrüßt habe und mich dann an die Arbeit machen konnte.
Mein netter Fahrer hat mich dann durch die wundervolle Südenglische Landschaft gefahren und mit Anekdoten aus seinem früheren Leben als Polizist oder Rettungssanitäter unterhalten. Zwischendurch habe ich die Telefonanrufe entgegengenommen (die Leitstelle hatte bereits Namen und Adresse notiert) und dann entschieden, ob der Patient in die Dienstzentrale kommen musste oder ob wir hinfahren würden. Wenn zwischendurch ein Patient in die Dienstzentrale kam, wurde er von der Rezeptionistin hereingelassen, musste also nicht vor der Tür stehen. Die Patienten bekamen nach Behandlung auch in der Regel kein Rezept, sondern gleich eine kleine Packung der notwendigen Medikamente (natürlich nur eine begrenzte Auswahl), brauchten also nicht erst irgendeine diensthabende Apotheke zu suchen.
Morgens um acht bin ich dann nach Hause gefahren und habe mich ins Bett gelegt und nach dem Aufstehen den Rest des Tages genossen.

Ich habe diese Dienste gehasst:
Wenn ich nach einem langen Praxis-Tag den Anrufbeantworter eingeschaltet habe und mit flauem Gefühl im Magen durch das Schneetreiben nach Hause gefahren bin. Irgendwann kam dann der Anruf: eine agitierte Stimme in starkem Dialekt, der mir kaum sagen konnte, wo er wohnte, geschweige denn, wie man dort hinkam. Dann habe ich mich wieder durch das Schneetreiben über ungeräumte Nebenstraßen (20 Zentimeter Neuschnee) auf den Weg gemacht und im Dunkeln nach Hausnummern gesucht (weil eigentlich ja jeder außer mir wusste, dass der Hof Nr. 5 nicht neben Haus Nr. 6 sondern am anderen Ende des Dorfes liegt). Dann gab es noch Diskussionen, weil ich die gewünschten Medikamente nicht mitgebracht hatte, sondern auf die 15 KM entfernte diensthabende Apotheke verweisen musste. Oder weil ich in meinem 15 KG schweren Rucksack keine Katheter dabei hatte, der Patient sich aber wegen des Harnverhaltes auch nicht einweisen lassen wollte. Oder weil die Krankenkassenkarte unauffindbar war. Oder gerade kein Kleingeld für die Praxisgebühr im Haus war (beliebt auch: „Haben wir doch schon bezahlt!“ – Quittung natürlich nicht vorhanden). Oder ein stadtbekannter Drogenabhängiger ruft an, der bekanntermaßen vor einem halben jJahr schon einen Kollegen zusammengschlagen hat (selbst schuld!). Oder… oder…. oder…. Ich habe es gehasst! (um fair zu sein: solche Dienste habe ich nicht nur in Deutschland, sondern auch in England erlebt).
Um sieben Uhr dann nach schlafloser Nacht dann natürlich wieder ein langer Praxistag.

Prinzipiell finde ich Notdienste spannend und würde sie auch jederzeit gerne wieder machen – allerdings denke ich, dass das eine ganz eigene Tätigkeit ist, die eigene Qualifikationen erfordert (z.B. Triage), für die man sich interessieren muss. Das können, müssen aber nicht notwendigerweise Allgemeinmediziner sein – auch wenn Allgemeinmediziner natürlich dafür prädestiniert sind.
Als Patient würde ich mir wünschen, wenn diese Dienste von qualifizierten Ärzten durchgeführt werden, die diese Dienste gerne machen, weil sie sich dafür interessieren und nicht von übermüdeten Kollegen, die diesen Dienst nach einem langen Praxistag noch „aufgedrückt“ bekommen.

Ich denke, dass es ein wunderbares Feld ist, wo Kliniken und ambulant tätige Kollegen herrlich zusammenarbeiten könnten, wenn sie wollen: Als einzige Anlaufstelle eine Triage-Station, die in der Notaufnahme einer Klinik angesiedelt ist, wo alle Patienten hindirigiert werden und dann von einem erfahrenen ärztlichen Kollegen entweder ambulant behandelt oder stationär eingewiesen werden, mit vorgeschalteter Telefontriage, wo entschieden wird, ob Hausbesuch oder Praxisbesuch, warum z.B. nicht auch ein Fahrdienst für Patienten (viele Hausbesuche wären nicht notwendig, wenn die Patienten eine Fahrmöglichkeit hätten – haben sie aber nicht. Taxi können sie sich nicht leisten. Ein vom Notdienst bezahlter Fahrdienst ist immer noch billiger als die ärztliche Arbeitszeit!)?

Okay. Träumen darf man. Muss man aber nicht. Man kann auch alles so lassen wie es ist. Bis jetzt ist es ja meistens gut gegangen. Und vielleicht finden sich ja auch in der Zukunft genügend Deppen…. oh, Verzeihung…. interessierte Kollegen, die alles so wie bisher weiterführen werden….