Ein Frohes, glückliches und gesundes Neues Jahr!

…wieder ist ein Jahr vergangen, wieder ist es Zeit, ein Frohes, glückliches und gesundes Neues Jahr und viel Glück und Erfolg für 2019 zu wünschen.

Ein ganz besonders lieber Gruß auch heute wieder an einen lieben Menschen, ein paar hundert Kilometer weit weg von hier. Auch wenn ich nicht bei dir sein kann: ich denke an Dich.

Lebensretter oder Mörder? Der Chirurg und das Trolley-Problem

Eine Straßenbahn fährt führerlos dahin, auf eine Menschenmenge zu.
Ein Weichensteller kann sie auf ein Nebengleis umleiten – aber auch dort steht jemand.
Das sogenannte „Trolley-Problem“ klingt wie ein makaberer Albtraum, ist aber ein beliebtes Gedankenspiel, um ein ethisches Dilemma zu beschreiben: Darf man den Tod eines oder mehrerer Menschen in Kauf nehmen, um Andere zu retten?
Ein praktisches Beispiel für ein solches Dilemma aus dem Gesundheitswesen wäre etwa die Überlegung, ob es ethisch zu rechtfertigen ist, einem Patienten eine kostspielige, aber lebensnotwendige Behandlung vorzuenthalten um mit dem Geld eine Impfkampagne für Kinder in einem Elendsviertel zu finanzieren.
Oder man könnte sich fragen, ob man das schwerverletzte Opfer eines Verkehrsunfalls absichtlich sterben lässt, um die Organe zur Transplantation zu verwenden und dadurch mehrere Menschen zu retten…

Vor einer Weile stand ein amerikanischer Star-Chirurg vor diesem Dilemma:
Er stand vor der Aufgabe, ein siamesisches Zwillingspaar zu trennen. Dabei war von vorn herein klar, dass nur ein Kind die Operation überleben würde – ohne Operation hingegen hatten beide Zwillinge nur geringe Überlebenschanchen.

Etwas ausführlicher habe ich dieses Thema heute in einem Artikel auf DocCheck beschrieben.

Es gibt auch einen deutschsprachigen Artikel im „Spiegel“ (Print-Ausgabe sowie Online als „Spiegel Plus“), der allerdings nicht frei zugänglich ist (daher kein Link). Einen weiteren kurzen deutschsprachigen Artikel gibt’s im Focus (frei zugänglich).

Rezension: „Letzte Begegnungen“ von Hannah Haberland

„Herbert, die Sterbehilfe ist da!‟, ruft es durch den Flur.
Und dann muss erstmal mit den gängigen Vorurteilen aufgeräumt werden: Nein, Palliativmedizin ist keine Sterbehilfe! Auch wenn es darum geht, Sterbenden dabei zu helfen, die letzten Tage und Stunden so lebenswert wie möglich zu gestalten. Die junge Ärztin Hannah Haberland arbeitet in einem Team der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung und besucht schwerstkranke Menschen zu Hause. In ihrem Buch erzählt sie, was sie da tagtäglich erlebt: Da gibt es die wohlmeinende türkische Familie, die dem sterbenden Vater noch unbedingt einen Döner verabreichen muss, bevor er dann – frisch gebadet – mit dem Auto in die Türkei gefahren wird, wo er dann am Tag nach der Ankunft friedlich sterben darf.
Dann ist da die schwerkranke Kunsthistorikerin, die in der Villa von Freunden untergekommen ist – dumm nur, dass Diese eine große Party geplant haben, und da ist eine Sterbende im Haus eher lästig.
Aber es gibt nicht nur solch schräge Anekdoten, sondern auch den ganz normalen Alltag. Hannah Haberland schreibt wunderbar einfühlsam, ohne dabei rührselig oder schwermütig zu werden, sie humorvoll aber in keiner Weise makaber. Man erfährt nicht nur eine Menge über Palliativmedizin, sondern auch über die ambulante pflegerische Versorgung von Schwerstkranken, über unser Gesundheitssystem und die unvermeidliche Bürokratie. Die Informationen sind gut verpackt und eher beiläufig eingestreut, auf Infodumping wird bewusst verzichtet.
Jedem, der sich mit dieser schwierigen Materie beschäftigt oder beschäftigen muss, ist dieses Buch dringend empfohlen.
Ich habe es jedenfalls in einem Rutsch durchgelesen.

Die Autorin hat übrigens heute einen Gastbeitrag im Focus Online geschrieben: „Wenn der Tod zum Alltag gehört: Hannah Haberland begleitet unheilbar kranke Menschen“

In Dubio Pro Vita? Nicht unbedingt…

Ein Hausarzt muss 40000 Euro Schmerzensgeld zahlen, weil er seinen Patienten zu lange hat leben lassen: Ein schwer demenzkranker ehemaliger Briefträger war fünf Jahre lang durch eine perkutane Magensonde ernährt worden. Nach seinem Tod verklagte der Sohn den Hausarzt – und gewann.
Als die Nachricht kurz vor Weihnachten durch die Medien ging, gab es nicht nur Kritik, sondern auch Zustimmung.
In einem Artikel auf DocCheck berichte ich heute ausführlich über diesen Fall:

…und hier noch ein paar weitere Links zu dem aktuellen Fall und zur Indikationsstellung einer PEG bei demenzkranken Menschen: