Rezension: W. A. Wolff: „Alduro & Fonseca: Der Teufel von Rio“

Rio de Janeiro – kurz vor den olypmischen Spielen: Gewitterstimmung, bedrohliche Atmosphäre, und dann knallt’s: in einer Favela wird ein Armen-Priester ermordet. Und zwar nicht von irgendwem, sondern vom Teufel persönlich: als einem Dämonen, der Schwefeldämpfe um sich wabern lässt und das Weihwasser fürchtet.
Weiter geht’s in gewohnter Krimi-Manier: eine Reihe von Ermittlern werden vorgestellt und ermitteln erstmal mehr oder weniger ratlos vor sich hin, Intrigen werden gesponnen und in den düsteren Ecken der Stadt wird weiter gemordet. Dann schlägt Luzifer erneut zu und zwar gleich zweimal kurz hintereinander, mit viel Donner und Krawumms und aus dem Krimi wird ein finaler Kampf zwischen Gut und Böse.
Wirklich?
Das soll zumindest der Leser denken. Die Ermittler hingegen ermitteln weiter gegen ganz normale Gangster und zweifeln nicht eine Sekunde lang daran, dass es hier um einen ganz gewöhnlichen Kriminalfall geht.
Es geht um Organhandel, um rivalisierende Mafia-Gangs, um eine geheimnisvolle Organisation, die möglicherweise doch nicht ganz so wohltätig ist, wie es anfangs scheint, um allgegenwärtige Korruption – auch in der Polizei selbst und um zwei Agenten, die schließlich in Superhelden-Manier auf eigene Faust weitermachen.
Spannend geschrieben, spannend zu lesen und eine spannende Wendung zum Schluss. Der Plot ist schlüssig und gut durchdacht. Das Thema Organhandel ist hochaktuell. Die dem Plot zugrundeliegende Idee gehört zwar (zum Glück heute noch) in den Bereich der Phantastik, ist aber für die Geschichte glaubwürdig. Die unvermutete Wendung zum Schluss hat mir gut gefallen.
Was mich gestört hat, ist die stellenweise doch holprige Sprache und vor allem die blasse und stereotype Schilderung der Handlungsorte. Hier fehlt mir das „gewisse Etwas“. Auch manche Fakten sind nicht gut recherchiert.
Für die Berufsbezeichnungen der verschiedenen Ermittler werden englische bzw. amerikanische Begriffe (z.B. „Chief“, „Federal Agent“) verwendet, was unpassend wirkt. Außerdem werden hier da Austriazismen verwendet (z.B. „Jause“, „Spital“ statt „Krankenhaus“ usw. ). Das vermittelt beim nicht-österreichischen Leser einen nicht gewollten Eindruck von österreichischem Lokalkolorit.
Alles in allem aber ein spannender Thriller mit überraschenden Wendungen und einem spannenden Thriller-typischen Ende.

W. A. Wolff: Alduro & Fonseca: Der Teufel von Rio: Mystery-Krimi
E-Book als Kindle Edition
Dateigröße: 1901 KB
BookRix (31. Mai 2017)
ASIN: B072PYR7J1
EUR 2,99

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