Rezension: „Professor Koslows Äthermaschine“ von Johannes Pollaschek

Wien zur Zeit von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Sissi: Der sympathisch-zurückhaltende Ingenieur Jakob Ros trinkt im Café Griensteidl seinen Kaffee, während nebenan ein verrückter Professor mit Studenten debattiert und plötzlich ein Zeitungjunge mit einer Sensationsmeldung hereinplatzt: Ein Eisenbahnzug ist verschwunden, hat sich offenbar komplett in Luft aufgelöst. Wer war’s? Italienische Anarchisten, Werwölfe oder Gespenster?
Das K.u.K Evidenzbureau – der Geheimdienst seiner Majestät – ermittelt. Ros (der im Text nur selten mit Vornamen angesprochen wird) verspricht seinem Bruder, der für jene illustre Behörde arbeitet, bei der Lösung des Falles behilflich zu sein. Dabei lernt er die hübsche Komtesse Ada Rony kennen.
Es beginnt ein Abenteuer mit Dampfautos, Luftschiffen und privaten Eisenbahnzügen, das sich bald wie ein historischer Krimi liest. Ist es aber nicht. Zwar ist die historische Kulisse perfekt recherchiert, das Wiener Lokalkolorit mit herrlich hintergründigem Humor beschrieben, aber der Plot verlangt nach rasenden Vapormobilen, Dampfrobotern, und anderen Maschinen, die Jules Verne sich nicht besser hätte ausdenken können.
Letztendlich dreht sich alles um ein verschwundenes Manometer. Was hat es damit auf sich und vor allem: Wer hat es verschwinden lassen? Wirklich die Anarchisten, ein russischer Geheimbund oder gar das Evidenzbüro selbst?
Die Geschichte ist toll und flüssig geschrieben, der Plot hält, was er verspricht, auch wenn die titelgebende Äthermaschine erst ziemlich spät auftaucht.
Einziger Kritikpunkt ist, dass man oft nicht weiß, wo die Fiktion anfängt und die historisch-korrekte Recherche aufhört (alchimische Lampen? dieser Kaffeeautomat, den Herr Ros erfunden hat?). Zwar gibt es ein Glossar, aber auch hier hat man den Eindruck, dass Fiktion und Realität vermischt sind.
Insgesamt: ein tolles Buch – und ich bin gespannt darauf, ob es eine Fortsetzung geben wird.

Johannes Pollaschek: „Professor Koslows Äthermaschine“
Books on Demand; 2016, 360 Seiten,
ISBN-13: 978-3743103818, € 11,99

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