Glitazone: Gesundheitsministerium betreibt Klientelpolitik

Eine zeitlang waren die Antidiabetika aus der Gruppe der Glitazone so etwas wie Bestesller, dann aber wurden Bedenken laut:
Die Mittel sind zwar wirksam, bieten aber bei höheren Kosten und deutlich höherem Risiko keinen zusätzlichen Nutzen gebenüber langjährig bekannten und etablierten Medikamenten.
Insbesondere unter Rosiglitazon (Handelsname: u.a. Avandia) war ein deutlich erhöhtes Herzinfarktrisiko beobachtet worden. Pikanterweise waren entspechende Daten von der Herstellerfirma zunächst unter Verschluss gehalten worden.
Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat daher am 24.9. empfohlen die Zulassung von Rosiglitazon europaweit auszusetzen. In Deutschland wird das Medikament zum 31.10. vom Markt verschwinden.
Das Mittel Pioglitazon (Handelsname: u.a. Actos) ist zwar in Deutschland weiterhin zugelassen, darf aber von strengen Ausnahmen abgesehen nicht mehr zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden.
Einen entsprechenden Beschluss hatte der Gemeinsame Bundesausschuss bereits am 17. Juni dieses Jahres aufgrund der eindeutigen wissenschaftlichen Datenlage getroffen. Der Gemeinsame Bundesausschusss (G-BA) ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen.
Im Gesundheitsministerium war man offenbar anderer Meinung. Im Internet kursiert jetzt ein Brief mit Datum vom 4. August, in welchem ein Ministerialdirektor den G-BA sinngemäß auffordert, die Einschränkung der Verordnungsfähigkeit zu überdenken.
Man kann es auch anders ausdrücken: Das Ministerium macht seinen Einfluss geltend um ein teures und wahrscheinlich gefährliches Medikament allen rationalen Argumenten zum Trotz auf dem Markt zu halten. Über die Gründe läßt sich nur mutmaßen – aber es drängt sich die Vermutung auf, dass hier die Lobby der Pharmaindustrie im Spiel war.
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