Café Griensteidl, Wien

Der Michaelerplatz hat in der Mitte ein Loch, so eine Art archäologische Baugrube. Auf dem Boden finden sich Mauerreste, die stammen teils aus der Römerzeit, teils aus dem Mittelalter, teils erst aus dem 19. Jahrhundert. An der Westseite des Platzes ist das Michaelertor, der Eingang zur Hofburg. Die Kuppel hat eine legendär tolle Akustik, weswegen sie oft von Straßenmusikern aufgesucht wird, was aber vermutlich längst verboten ist.
Auf der anderen Seite des Platzes ist das Café Griensteidl. Früher haben sich hier – wie in allen traditionsreichen Kaffeehäusern – die Revoluzzer und Künstler getroffen, aber dann hat man das Ding abgerissen, ein neues Gebäude hingesetzt und hundert Jahre später auch wieder ein Café eröffnet. Ich trete ein. Parkettboden, rote Plüschbänke, Stühle aus dunklem Holz, ebenfalls mit rotem Plüsch überzogen, kleine Marmortischchen, Spiegel und dunkles Holz und schwere rote Samtvorhänge. Kein Zigarettenrauch, kein Wlan.
Ich bestelle einen Kleinen Braunen und belausche die Damen am Nebentisch.
„Energetisch ist unser Gespräch jetzt zu Ende!‟, sagt die Eine und dann schweigen sie sich noch eine halbe Stunde lang an.

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