Waterloo Station, London

Einmal nach Waterloo bitte, zurück morgen.
Waterloo. Mir klingt immer noch dieser uralte „Abba“-Song im Ohr, den sie gestern auf der Party immer wieder und wieder gespielt haben.
Waterloo ist ein anständiger Bahnhof. Bei der Einfahrt kann man linker Hand ab und zu zwischen den Hochhäusern den Fluß durchschimmern sehen, ab und zu auch das Parlament und Big Ben und natürlich die jüngste Attraktion dieser Stadt, das Riesenrad, das größte Europas und zweitgrößte der Welt. Mit den Rekorden ist das natürlich so eine Sache, es wird bestimmt nicht lange dauern, bis irgendein fernöstlicher oder amerikanischer Großmogul ein größeres baut.
Kurz bevor der Zug dann zum Stillstand kommt taucht linker Hand jene hypermoderne bläuliche Hallenkonstruktion auf, die dem Bahnhof das Attribut „International“ verleiht, worauf man hierzulande mächtig stolz ist.
Immerhin, die Gepäckwägelchen nehmen auch französische und belgische Münzen. Und rücken sie wie es sich gehört nach Gebrauch wieder raus, wir sind ja schließlich nicht in Deutschland.
Ich durchquere die Bahnhofshalle – großzügig, wie es sich gehört, mit den üblichen Cafés und Zeitungsläden, der Geruch der großen Weiten Welt, der solchen Orten immer innewohnt – und suche dann zielstrebig den Eingang in die Unterwelt.
Eine Besonderheit von Waterloo ist, daß es keinen nennenswerten Bahnhofsvorplatz gibt. Dort, wo man einen solchen erwarten würde, schrammt in luftiger Höhe auf ihrem Viadukt eine weitere Bahnlinie gerade knapp an der Außenfassade des Hauptgebäudes vorbei, zu ihren Füßen ein unübersichtliches Gewirr aus mehrspurigen Schnellstraßen, die sich hier auf unnachahmliche Weise verknoten. Fußgänger werden erstmal in die Katakomben geschickt.
Immerhin sind diese Unterführungen inzwischen auf fast rührende Weise neu gestaltet worden. An den Wänden prangen jetzt Dichterzitate. Und auf der riesigen Verkehrsinsel in der Mitte des Kreisverkehres prangt ein kreisrundes Imax-Kino.
Von hier aus fürht mein Lieblings-Fußgängertunnel – jener mit dem blauen Sternenhimmel – zu einer der Hauptattraktionen jener Stadt: Dieses wunderbare Café unter der Brücke.
Selbst jetzt im Dezember und selbst wenn es in Strömen regnet kann man dort noch auf den Bänken draußen sitzen, während zehn Meter weiter über einem der Verkehr donnert. Davon hört man aber nichts. Stattdessen gibts hier den Bücherflohmarkt und jede Menge Straßenmusiker – die Akustik ist einmalig.
Ich trete ein, hole mir einen Kaffee setze mich ans Fenster, versuche so intellektuell wie möglich auszusehen, aber die attraktive Frau neben mir liest trotzdem lieber weiter in ihrem Buch…

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